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Urlaub vom Urlaub - Teil 1 - Raivavae

Tubuai, Austral-Inseln, 19.11.2021

„Ist euch noch nicht langweilig, wollt ihr nicht ein paar Inseln besuchen?“, fragt uns die Mutter von Herenui. Es gäbe doch so viel Verwandtschaft, die wir besuchen könnten, z. B. auf den Marquesas oder Austral-Inseln. Wir machen uns also kundig, wie man dahin kommen kann – vielleicht auch ohne Flugzeug. Gleich vorab – dieser Beitrag hat auf Grund der langsam laufenderen Uhren auf den Australs zu einer Rekord-Länge geschafft.

Auf die Austral-Inseln, welche 500 bis 1.000 km südlich von Tahiti verteilt liegen, fährt zweimal im Monat ein Frachtschiff. Leider hält es da nur kurz zum Be- und Entladen, sodass man nicht an Land gehen kann oder gleich zwei Wochen bis zum nächsten Schiff bleiben muss. Segeln will zu der Jahreszeit auch keiner mehr da runter, immerhin ist das Zyklon-Risiko „moderat“ und damit höher als auf Tahiti. Es bleibt uns also leider nur das Flugzeug, was die einzelnen Inseln zwei- bis dreimal wöchentlich ansteuert.

Kaum sind die Flüge gebucht, kümmert sich Miranda, Herenuis Schwester, auch schon um die Kontakte zur Familie. Pensionen seien schließlich viel zu teuer, meint Herenui. Wir fliegen zuerst nach Raivavae, wo der Mann von Miranda, Herenuis Schwester, herstammt. Drei seiner zwölf Geschwister leben noch hier – wir kommen bei einer der beiden Schwestern unter. Knapp zwei Stunden dauert der Flug von Tahiti und wird mit einem spektakulären Landeanflug über eine türkise bis tiefblauen Lagune gekrönt. Die Landebahn ist in selbige hineingebaut und der ATR, eine Propellermaschine, setzt recht unsanft auf.

Micheline, welche 54 Jahre alt ist, empfängt uns am Ausgang mit mächtig schweren Blumenketten, sog. Couronnes, aus Pua-, Christusdorn-, Basilikum- und Tiareblüten. Ein Bekannter fährt uns gemeinsam zum Wohnhaus nach Anatonu im Norden der Insel. Die Familie selbst besitzt kein Auto, dafür aber fünf Fahrräder und zwei Motorroller. Das ist auch völlig ausreichend hier – die Insel wird von einer 20 km langen Küstenstraße aus Sand, Beton und Asphalt umgeben, zwei Traversen überqueren zwischendurch das bergige Inland. Da die Austral-Inseln in subtropischen Gebreiten liegen, ist es hier deutlich kühler als auf Tahiti. Die Tagestemperaturen liegen zwischen 20 und 25 Grad und es weht stets ein frischer Wind aus Südost. Auf Grund des reichlichen Niederschlages und der recht stabilen Temperaturen gedeiht hier dennoch eine tropische Vegetation in Küstennähe. Wir entdecken aber auch viele „Bekannte“, wie Olivenbäume, Oleander, Zinnien, Gerberas, Pinien und Kohlköpfe. Stellenweise fühlen wir uns wie auf den Kanaren oder auf Madeira. Selbst Apfel-, Pfirsich-, Maulbeer- und Nektarinenbäume sowie Weinreben wachsen auf Raivavae. Passend zur anstehenden Weihnachtszeit gibt es eine botanische Besonderheit: Auf den Motus wächst eine endemische Art des Sandelholzbaumes, welcher u. a. Verwendung als Räucherkerzenduft findet. Hierfür war Raivavae im 19. Jahrhundert in Europa bekannt.

So muss Bora Bora vor 50 Jahren gewesen sein, sagt man in Hinblick auf die Besiedlung. Zwar gibt es Strom, aber nur selten fließend Wasser. Fünf Geschäfte versorgen die Insel, allesamt sind nicht mehr als ein großes Zimmer in einem Wohnhaus. Möchte man etwas bestimmtes kaufen, was über den täglichen Bedarf hinaus geht, z. B. ein Möbelstück, muss dies in Tahiti bestellt und mit dem Frachtschiff geliefert werden – Dauer mindestens zwei Wochen.

Internet ist so gut wie nie verfügbar, am Postamt gibt es allerdings am Wochenende gratis WLAN – sowas wie das Tor zur Außenwelt, hier am gefühlten Ende der Welt: Südlich von hier kommt nur noch die Insel Rapa (nur per Schiff zu erreichen und unabhängig), bevor nach ca. 9.000km die Antarktis folgt.

Touristen sind auf Raivavae eine echte Seltenheit. Die drei Pensionen machen einen leeren Eindruck – seit Corona komme kaum mehr ein Tourist hierher, berichtet Tuarue, der Sohn unserer Gastgeberin Micheline. Er ist 21 Jahre und nach seiner landwirtschaftlichen Ausbildung auf Moorea und in Belgien hierher zurückgekehrt. Sein großer Bruder ist bei der Marine in Frankreich und daher müsse er sich mit um die Eltern, das Haus und die Tiere kümmern, berichtet er. Außerdem hat er einen guten Job in der hiesigen, staatlichen Landwirtschaftseinrichtung, welche u. a. über eine Baumschule und ein keines Sägewerk verfügt. Die lokalen Bauern wenden sich an diese Einrichtung, wenn sie Schwierigkeiten bei der Kultivierung einer Pflanze haben. Tuarue dokumentiert dies in der Folge und schreibt am Computer entsprechende Berichte. Diese werden dann, teilweise mit Pflanzenmaterial, zur Analyse und Auswertung nach Tahiti geschickt.

Hamai, der Mann von Micheline, ist 67 und war ebenfalls bei der Armee in Frankreich. Er weiß daher einiges aus Europa zu berichten und freut sich spürbar über die tägliche Unterhaltung mit uns Auswärtigen. Micheline hingegen fällt die Unterhaltung auf Französisch schwer – sie spricht hauptsächlich Tahitianisch, und davon noch die spezielle Form hier von Raivavae. In dieser Form gibt es kein R, aber dafür das G, was im Tahitianischen wiederum nicht auftaucht. In der heimischen Sprache heißt die Insel eigentlich Gaivavae (sprich: Ga-i-va-va-e). Und statt Iaorana sagt man hier Iaogana oder A ne ge. Hannes zückt Zettel und Stift und wir versuchen uns so viele Worte wie möglich einzuprägen.

Das Inselleben auf Raivavae ist recht verschlafen. Zwischen Wohnhaus und Lagune liegt lediglich die kaum befahrene Straße. Die Autos, die täglich am Haus vorbeifahren, kann man leicht zählen. Heute zum Sonntag waren es neun, sowie zwei Fahrräder und zwei Mopeds – wochentags vielleicht das Doppelte. Zum Haushalt gehören noch vier Hunde, zwei Katzen und fünf Schweine. Letztere dienen der Selbstversorgung. Micheline ist Hausfrau und bastelt nebenbei Muschelketten, Hamai ist Rentner und das Geld, was Tuarue verdient, reicht zwar zum Leben, aber nicht für mehr, berichtet er. Wenn man 60 Jahre erreicht hat, bekommt man hier 80.000 XFP, umgerechnet knapp 700 Euro, pro Monat – egal ob man gearbeitet hat oder nicht. Die Familie hat insgesamt einen sehr sparsamen Lebensstil, jeder Gegenstand wird solange verwendet, bis er wirklich richtig kaputt ist. An der Kaffeetasse von Micheline ist der Henkel abgebrochen – trotzdem nutzt sie sie noch. Ein kompletter Gegensatz zum Leben auf Tahiti. Im Haus gibt es kein fließend Wasser, der an der Quelle angeschlossene Gartenschlauch dient draußen zum Duschen und im Haus zum Spülbecken auffüllen. Die Toilette muss mittels Eimer gespült werden. Strom ist vorhanden und damit Kühlschrank, Gefriertruhe, TV und Radio ebenfalls.

Ab und zu geht Tuarue fischen. Außerdem bestellt die Familie regelmäßig Fisch auf Vorrat bei lokalen Harpunenfischern. Viele weitere Lebensmittel kommen aus dem Garten – allen voran Bananen, wovon sich ein ganzer Wald hinter dem Haus befindet. Weiterhin Papayas, Mangos, Ananas, Limetten, Litschies, Pitahayas und Avocados. Die riesigen Mangobäume haben nur noch ein paar wenige, knorrige Früchte. Gefällt werden die Bäume trotzdem nicht – Hamai berichtet, dass sie wichtig sind, weil ganz viele Vögel darin brüten, u. a. eine seltene Seeschwalbe. Und auch sonst ist das Umweltbewusstsein hier ein etwas anderes als auf Tahiti. Der Müll wird halbwegs ordentlich getrennt und auf die Erhaltung der Lagune wird geachtet. Muscheln werden im Meer an der Fundstelle und nicht an Land ausgenommen, damit die Eier wieder ins Wasser gelangen. Fische dürfen erst ab ca. 20 cm Größe gefangen werden. Außerdem hat die Kirche einen Plan aufgestellt, wo gefischt werden darf und wo für fünf Jahre Schonzeit ist. Danach wird gewechselt. Dies sei zwar nicht mit dem Rathaus abgestimmt, aber die Leute gehorchen darauf, was der Herr will, berichtet Hamai. Eine weitere Festlegung der Kirche, die vom Rathaus abgelehnt wurde, ist, dass alle Reisenden hier zunächst 14 Tage in Quarantäne sollen, bevor sie raus dürfen. Egal, was die Festlegung der Regierung hierzu ist. Unsere Familie macht diesbezüglich ein kleines Spagat: wir dürfen zwar das Haus verlassen, aber Sonntag nicht mit in die Kirche kommen.

Zehn aktive Corona-Fälle gäbe es aktuell, was bei 900 Einwohnern schon recht viel ist. An den jeweiligen Häusern ist außen gut sichtbar ein Schild angebracht: Achtung, hier Covid. Offiziell sind die Leute zuhause in Quarantäne, Tuarue berichtet jedoch, dass sich kaum jemand daran halte.

Der Ort Anatonu, in dem wir wohnen, ist einer von fünf Dörfern hier auf Raivavae. Neben dem Flughafen gibt es auf der Insel noch einen Hafen, an dem größere Schiffe anlegen können, eine Polizeistation, eine Krankenschwester, eine Tankstelle, ein paar Sportplätze und eine Grundschule. Im Anschluss an letztere müssen alle Kinder ins Internat auf die Nachbarinsel Tubuai.

Sensible Tierfreunde – bitte diesen Absatz überspringen:
Geschätzt leben auf Raivavae mindestens doppelt so viele Hunde wie Einwohner, die meisten davon frei laufend. Der Großteil scheint jedoch einen Besitzer zu haben und ist verglichen mit Tahiti in einem verhältnismäßig gutem Zustand. Ähnliches gilt für Katzen. Was es jedoch leider nicht gibt, ist ein Tierarzt, folglich auch keine kastrierten Haustiere. Auch eine Tierschutzorganisation, wie „Les 4pattes“ (Die vier Pfoten), welche auf Tahiti gratis die Kastration von Varoa’s Hündin Mila übernommen hat, existiert hier leider (noch nicht). Auf unsere Frage, was denn dann mit dem ganzen Nachwuchs passiere, gibt es die nüchterne Antwort, dass dieser kurz nach der Geburt lebendig in ein Loch geworfen wird. Beim Anblick der trächtigen Katze unserer Gastfamilie läuft mir der Schauer über den Rücken. Doch was soll man tun? Alle Tierbabys am Leben zu lassen, würde eine unkontrollierte Ausbreitung auf der Insel bedeuten, ebenfalls verbunden mit viel Tierleid, wenn der Nachwuchs dann zu herrenlosen, abgemagerten Streunern wird – so wie es z. B. mit den Katzen in unserer Erfurter Gartenanlage der Fall ist. Ob es in der Verantwortung des Staates liegt, hiergegen etwas zu unternehmen? Gleiches fragen wir uns beim Thema (Plastik-)Müll, was wir im folgenden Absatz noch aufgreifen.

Ein besonderes Kunsthandwerk von den Australs sind Schnecken- und Muschelketten. Diese werden zum Empfang und zur Verabschiedung von Verwandtschaft, vor allem zu Weihnachten, überreicht. Wenn Ketten übrig bleiben, so verkauft man diese. Auf einem der 29 Motus, die Raivavae umgeben, erfahren wir, wo der Rohstoff für dieses Handwerk herstammt: die Frauen graben hier, ähnlich wie Goldsucher, im ehemaligen Korallenriff, wo man stellenweise gehäufte Muschel- bzw. Schneckenansammlungen findet. So auch auf dem Motu Vaiamanu, was wegen den umgebenden Wasserfarben auch Motu Piscine (Schwimmbecken) genannt wird. Mit reichlich Wasser, Proviant und Zelten brechen wir zu sechst per großem Holzboot und kleinem 5-PS-Motor auf, das Motu zu erkunden und Muscheln zu schürfen. Erst auf der Bootsfahrt zum Motu wird uns klar, dass wir da wohl übernachten werden. Offenbar hat man versäumt, uns mitzuteilen, dass es erst übermorgen wieder nach Hause geht. Glücklicher Weise sind wir flexibel und kommen auch mit wenig klar. Nach der Ankunft schlagen wir die Zelte auf und die Frauen machen sich auf zum Schürfen. Wir hingegen sollen doch spazieren gehen und das herrliche Motu erkunden.

Doch leider erleben wir bei der dreistündigen Inselumrundung nicht nur Schönes: An der rauen, südlichen Pazifikküste des Motus bringt das Meer neben herrlichen Muscheln und der giftigen, aber wunderschönen Portugiesischen Galeere auch Tonnen von Plastikmüll hervor. Allen voran Getränkeflaschen, Flipflops und andere Schuhe,  Bojen und Schwimmkörper von Fischernetzen. Weiterhin Plastikgitter und -kisten, Flüssigwaschmittel- und Shampooflaschen sowie Teile von Schiffstauen. Zu finden sind auch einige Geisternetze, bei welchen es sich um verloren gegangene Fischernetze handelt. Diese sind besonders gefährlich, da sich bei ihrem Treiben durch den Ozean unzählige Meeresbewohner darin verfangen und verenden.

Uns blutet das Herz bei dem Anblick des Mülls – und es ist dabei doch nur ein millionstel Bruchteil dessen, was in den Meeren unterwegs ist. Gleichzeitig sind wir hier unmöglich in der Lage, etwas zu unternehmen. Auf Bora Bora, Moorea oder Tahiti hatten wir jeweils die Möglichkeit, den Müll einzusammeln und zu entsorgen. Hier jedoch gibt es weit und breit keine Entsorgungsmöglichkeit, erst recht nicht für diese Masse. Alle zwei- bis dreihundert Meter ließe sich ca. ein Bigbag (1m³) Müll zusammen sammeln. Allein auf diesem Motu liegen also mindestens fünf bis sechs Bigbags sichtbarer Müll, der bereits im Gebüsch und Geröll verschwundene bzw. zerbröselte Müll ist da noch nicht dabei. Wir entscheiden uns dafür, wenigstens einen Teil abzusammeln und ins höher gelegenen Gebüsch zu verfrachten, insbesondere die Geisternetze. Dass dies keine langfristige Lösung ist, ist uns dabei klar.

Doch wo kommt dieser Müll her, hier so weit abseits der nächsten größeren Inseln sowie Kontinenten? Wir finden eine recht junge Plastikflasche, auf der alleinig asiatische Schriftzeichen zu lesen sind. Die kann schon mal nicht von hier stammen. Flipflops, Wasser- und Limoflaschen hingegen mögen ihren Ursprung hier im Südpazifik haben. Vieles kommt, so unsere Schlussfolgerung aus den gefundenen Teilen, aber auch von Schiffen nicht definierbarer Nationalitäten – wie Bojen, Kunststofftaue und -kisten sowie Fischernetze.

Der Müll, der hier nicht durch die Brandung wieder ins Meer gezogen wird, wird durch das Sonnenlicht spröde. Viele Dinge zerbersten bei Berührung in tausend Teile, die sich wiederum in Mikroplastik zermahlen. So findet jeder nicht vom Strand abgesammelte Müll früher oder später wieder den Weg ins Meer, damit in die Mägen der Meerestiere und darüber wiederum in unsere. Wie bei dem zuvor geschilderten Problem mit den Haustieren suchen wir erfolglos nach Lösungen. Weltweiter Pfand auf Plastikverpackungen wäre ein Schritt – doch ist das realisierbar? Und natürlich Aufklärung über Plastikmüll, aber solange die Profitgier von Menschen und Unternehmen dem Umweltbewusstsein überwiegt, wird allein Aufklärung nicht erfolgreich sein.

Vor Ort verbrennen ist eine Lösung, welche viele Müllsammler im Pazifik betreiben. Wir testen dies am Lagerfeuer im Motu-Camp. Der dabei entstehende Gestank ist unangenehm bis ekelerregend. Der Müll ist erstmal weit weg vom Meer, dafür aber offenbar teilweise in der Atmosphäre – eine optimale Lösung ist es also auch nicht. Kann der Staat das Problem lösen? Wir finden ja, zumindest zum Teil. Im afrikanischen Land Ghana erhalten die Menschen von einer Nichtregierungsorganisation Geld für gesammelten, sortierten Plastikmüll. In Ruanda sind seit einigen Jahren Plastiktüten verboten und allein deren Besitz unter Strafe gestellt. In Vanuatu, wo wir 2017 ähnlich erschüttert von der Plastikflut waren, wurde kurz danach Einwegplastik staatlich verboten. Wir sind gespannt, was sich getan hat, wenn wir hoffentlich im Juli 2022 Vanuatu per Segelboot bereisen dürfen.

Am Abend kochen wir in stabilen Alu-Guss-Marmites (typische Töpfe hier) Reis und Kaffeewasser auf dem Feuer. Dazu gibt es Gurken-Tomaten-Salat mit Dosenfleisch. Südsee-Lagerfeuerflair. Leider ist der Wettergott uns nicht allzu gnädig und kurz nachdem wir uns in die Zelte zurückgezogen haben, regnet es. Mit kurzer Unterbrechung geht das bis zum Morgengrauen so weiter. Die in die Jahre gekommenen Zelte halten wie erwartet nicht dicht und wir kauern uns auf den trockenen Stellen zusammen. Die Muschelschürferinnen entscheiden daher am Morgen, dass wir wieder zurückfahren. Als das bestellte Boot ankommt, ist schönster Sonnenschein – aber wir fahren trotzdem zurück. Vorher gibt es noch eine Schnorchelrunde am Rand vom Riff. Fische und Korallen erscheinen gesund, unterscheiden sich jedoch sehr von Tahiti. Das Wasser ist hier merklich kühler, die Fische weniger farbenfroh und die Korallen mächtiger.

Zurück am Haus fragt uns Tuarue, ob wir bei unserer Motu-Runde auch den ganzen Müll gesehen hätten. Er ist für das Thema sensibilisiert, merken wir. Er glaubt, dass viel Müll von den chinesischen Thunfisch-Trawlern kommt, die in den umliegenden Gewässern unterwegs sind – das schlussfolgert er aus dem asiatisch beschrifteten Verpackungsmüll, den er ebenfalls gefunden hat. Tuarue berichtet weiter, dass er schon einmal gemeinsam mit mehreren jungen Männern einiges an Müll gesammelt und verbrannt habe, doch es komme immer wieder neuer Müll, sagt er. Wir ermuntern ihn dennoch, immer wieder den Müll zu sammeln, am besten wieder mit vielen anderen jungen Leuten zusammen, und seine Feststellungen publik zu machen.

Zwei absolute Highlights unseres Aufenthaltes auf Raivavae sind der Besuch des letzten verbliebenen Tikis sowie die Wanderung zum Mont Hiro. Der Tiki ist weiblich und steht im Garten eines Cousins von Micheline. Alle weiteren Tikis der Insel wurden im Laufe der Christianisierung zerstört oder nach Tahiti und Hawaii gebracht. Beim Anblick des lächenden Tikis aus Tuffstein freuen wir uns, eine solch historische Besonderheit aus der Nähe betrachten zu können und hoffen, dass die Dame noch lange erhalten bleibt. Auf dem Rückweg kaufen wir in der Baumschule auf Tuarue’s Arbeit einen kleinen Tiare-Busch für Micheline, welche wir anschließend gemeinsam im Garten pflanzen. Hier sind schon drei dieser Büsche vorhanden, doch Tiares kann man nie genug haben: Schließlich sind die Blüten Hauptbestandteil der prächtigen Blumenketten, hier Couronnes genannt, welche gern zur Begrüßung und zum Abschied überreicht werden.

Am Nachmittag geht es dann zum Mont Hiro. Wie fast überall in Französisch-Polynesien ist der Einstieg zum Wanderweg unbeschildert und beginnt auf Privatgrund. Da Tuarue bis 15:30 Uhr arbeiten muss, steigen wir erst spät zum Berg auf. Nach einem steilen Anstieg erreichen wir den Bergkamm, auf welchem wir nun weitere 1,5 km bis zum Gipfel wandern. Umgeben von der türkisblauen Lagune durchqueren wir eine herrliche Bergwelt, die uns an die Kanaren erinnert: Pinien und Farne bilden die vorherrschende Vegetation. Die für die heimische Vegetation so schädliche Miconia, von der wir auf Moorea berichteten, gibt es auf Raivavae zum Glück nicht. Eine wilde Herde Ziegen, ca. 20 Tiere, lebt hier oben am Berg vom reichhaltigen Gras und beäugt uns wachsam. Ein fast eisiger Wind zwingt uns, unsere Pullover anzuziehen. Das Gipfelpanorama auf dem mit 437m höchsten Berg von Raivavae ist herrlich – bei Sonnenuntergang bestaunen wir die Berge, die dünn besiedelte Küstenlinie, die Motus und die Lagune. Tuarue sagt voller Stolz: „Jetzt wo ihr hier auf dem Mont Hiro seid, seid ihr wirklich richtig auf Raivavae angekommen.“ Wir sagen Mauguugu – Danke! Als wir absteigen, leuchten uns der Mond sowie sein im Meer reflektiertes Licht den Weg. Und der Mond wird uns am kommenden Abend noch richtig überraschen…

Als wir am letzten Abend zur Außendusche gehen, stellt Hannes fest, dass irgendetwas mit dem heutigen Vollmond nicht stimmt: Die Erde schiebt sich gerade zwischen Sonne und Mond – eine beginnende Mondfinsternis! Anders als in Deutschland gab es keine Ankündigung zu einem solchen Himmelsereignis. Dank des wolkenlosen Himmels betrachten wir drei Stunden lang, wie der Mond immer mehr verdunkelt wird und eine rötliche Farbe bekommt. Lediglich ein schmaler Streifen bleibt von der Sonne erleuchtet. Mit zunehmender Verdunkelung des Mondes leuchten die Sterne immer heller. Was für ein Spektakel an diesem von Sternen übersäten, südpazifischen Himmel, und das an einem Ort völlig ohne Lichtverschmutzung. Ein schöner Abschluss für diese herrliche, verschlafene, natürliche, ruhige und sehr sehenswerte Insel! Nun geht es weiter auf die Nachbarinsel Tubuai. Wir müssen schmunzeln, als in der Schlange am Flughafenschalter sowohl vor als hinter uns Leute stehen, mit denen wir im Laufe der vergangenen Woche persönlich zu tun hatten. Raivavae ist eben wie ein kleines Dorf!

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Feiermarathon

Papara, Tahiti, 10.11.2021

Halloween, Allerheiligen, Kinder- und 50. Geburtstag – wir hatten volles Feierprogramm diese Woche in unserer Gastfamilie. Halloween wird hier ausgiebiger gefeiert als in Deutschland, mit viel Dekoration, Kostümen, Essen und Süßigkeiten. Wir sind mit zur Cousine unserer Gastgeberin Herenui eingeladen. Geschätzt 20 Kinder und 30 Erwachsene kommen zusammen.

Gleich am Folgetag, dem 1. November, steht Allerheiligen auf dem Plan. Hierzu hatten wir bereits einige Tage zuvor mit der Familie die Gräber gesäubert. Schon die ganze Woche gab es überall am Straßenrand sowie auf eigens für diesen Anlass errichteten Märkten herrliche Blumengestecke zu kaufen. Unsere Familie hat eine ganze Pickup-Ladung Blumen bestellt.

Der Vater unseres Gastgebers Varoa ist mit 50 Jahren an Krebs gestorben und liegt in der Familiengruft in Papeete beerdigt. Auf selbigem Friedhof, nur sechs Ebenen höher (der Friedhof ist in mehrere Hangebenen eingeteilt), ruht die leibliche Mutter unserer Gastgeberin Herenui. Sie starb, als Herenui noch ein Baby war. Herenui ist daher in einer Adoptivfamilie aufgewachsen, in welche sie wie ein leibliches Kind integriert ist. Beide beschriebenen Gräber dekorieren wir mit der Blütenpracht und nach einer kurzen Andacht wird zum feierlichen Teil übergegangen. Bis zur Dunkelheit halten wir uns auf dem Friedhof auf, es werden Familienfotos mit den Gräbern der verstorbenen Verwandten gemacht, es wird gesungen, Musik gehört und auf die Verstorbenen angestoßen. Die Grabsteine sind mit Farbfotos der hier ruhenden Menschen verziert – sie sollen nicht vergessen werden. Es ist farbenfroh, laut und fröhlich – so völlig anders als bei uns in Deutschland. Wir berichten von unseren Friedhöfen, den fehlenden Farbe, der Stille und der Trauer – was die Polynesier sehr erstaunt. Man solle sich doch lieber an die schöne Zeit mit den Menschen erinnern und auch hier auf dem Friedhof weiterhin mit ihnen gemeinsam feiern, anstatt einsam zu trauern. Wir nehmen diese Empfehlung gerne auf, genießen die Atmosphäre und lassen das Geschehen auf uns wirken.

Am nächsten Tag wird ein großes Festzelt geliefert und im Handumdrehen aufgebaut. Die Polynesier sind geübt in der Vorbereitung von Feiern. Der Geburtstag von Tochter Vaikihei steht an – sie wird 11 und man erwartet ca. 40 Leute. Bunt muss es sein – wie alles in Polynesien – Fenuafarben eben. Luftballons,  Pareos, Stühle und Tischdecken in allen möglichen Farben. Tante Tiheni stimmt feierlich die Ukulele zu „Joyeux Anniversaire“ ein (das klassische Geburtstagslied wie bei uns) und alle Gäste singen kräftig mit, bevor Vaikihei die Tortenkerzen auspusten darf.

Gesteigert werden soll diese bunte, laute und lustige Feier nochmals um ein Vielfaches – zum 50. Geburtstag einer Großtante von Herenui. Dieser findet als Überraschungsparty auf dem Grundstück unserer Familie statt. Schon früh um 5 muss vorbereitet werden, ab 9 Uhr kommen ca. 100 Gäste, in buntesten Kleidern, mit opulenten Blumenkränzen und -ketten. Neben der Jubilarin ist Caroline, die Familienpräsidentin, eine wichtige Person. Sie leitet Feiern wie diese, ist aber auch dazu da, alltägliche Streits zu schlichten. Dass alle der 100 Gäste dicht gehalten haben und das Geburtstagskind nicht die leiseste Ahnung hatte, ist spektakulär: als das Grundstückstor aufgeht, fällt Mirimata fast um vor Staunen. Rasch wird sie in festliche Fenua-Kleidung gesteckt, mit Blumenkränzen ausgestattet und die Party kann beginnen.

Wegen der noch herrschenden Ausgangssperre ab 23 Uhr muss zeitig mit Feiern anfangen werden, um das Programm zu schaffen: umfangreiches Mittagessen, zweieinhalb stündiger Auftritt einer bekannten polynesischen Band (Sissa Sué) mit anschließender Tanz- und Musikeinlage der ganzen Familie. Letztere dauert von 15:30 bis 22 Uhr – aus allen Ecken und Autos werden Gitarren, Verstärker und Ukulelen hervorgezaubert, die Frauen schwingen die Hüften und präsentieren spontan verschiedene Inseltänze. Soweit wir alles erfassen können, doppelt sich in diesen über sechs Stunden nicht ein einziges Lied, alles wird aus dem Kopf musiziert. Es gibt kein Lehrbuch für die polynesischen Lieder und Tänze, die Kinder lernen es durch Hören und mitmachen bei Feierlichkeiten wie solch einer. Die Lautstärke ist überwältigend, niemand ziert sich, vor der Gruppe aufzutreten, zu singen und zu musizieren. Es fließt reichlich Hinano und Tabu, die beiden lokalen Biersorten. Es gibt zahlreiche stark angeheiterte Gäste – doch keiner tanzt aus der Reihe oder wird aggressiv.

Besonders besorgt ist man den ganzen Abend um unser Wohl – doch dies ist völlig grundlos. Wir genießen diese unglaubliche Atmosphäre und auch wenn wir kein Wort des Gesungenen verstehen, handelt es sich hör- und sichtbar ausschließlich um fröhliche Lieder. Bregue wird dieses Spektakel genannt, bei dem die Familien gemeinsam musizieren – und dies ist jeweils von Familie zu Familie ganz individuell.

Das Ende der Feier gestaltet sich recht pragmatisch – so schnell wie alles aufgebaut war, wird wieder abgebaut, geputzt und aufgeräumt, bevor die Ausgangssperre alle nach Hause treibt. Jeder kennt seine Aufgabe, dies ist bei jeder Feier so – ein schön anzuschauendes Gewusel.

Umgehauen haben uns die Polynesier diese Woche Mal wieder, mit ihrer Gastfreundschaft, Fröhlichkeit, Gemütlichkeit, chaotischen Organisiertheit und Traditionstreue! Drei Wochen wohnen wir wir jetzt schon bei Familie Boosie – und es war uns nie langweilig. Dennoch wollen wir noch mehr von Polynesien sehen, weshalb es uns nun Richtung Süden verschlägt: Auf die Austral-Inseln Raivavae, Tubuai, Rurutu und Rimatara, 600 bis 1.000km entfernt von Tahiti. Auch hier werden wir zumindest teilweise bei Verwandten der Familie wohnen. Danach sollen wir unbedingt wiederkommen, wünschen sich Varoa und Herenui. Wird gemacht!

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FENUA

Papara, Tahiti, 05.11.2021

– weitere Fotos folgen in Kürze –

In jedem Lied, in jeder Werbung, in den Nachrichten und überall im Supermarkt begegnet einem in Französisch-Polynesien laufend das Wort „Fenua“. Gemeint ist damit im Allgemeinen die Heimat bzw. insbesondere Tahiti. Produkte „made in Fenua“ sind also hier hergestellt, in Liedern wird mit „Fenua“ die Heimat besungen, hier geborene Menschen sind „Fenua“, genauso wie ihre farbenfrohe Kleidung und ihr Stil, ihre Tätowierungen, ihr Lächeln und ihre Freundlichkeit. Doch was ist außerdem typisch für Französisch-Polynesien? Was macht dieses Land, die Leute und die Natur aus? Dies erfahrt ihr unter der Galerie (bitte den jeweiligen Punkt anklicken):

Ganz besonders Fenua ist die polynesische Sprache. In Französisch-Polynesien sprechen ca. 150.000 Einwohner, also etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung, Tahitianisch, wie man die lokale Form des Polynesischen hier nennt. Charakteristisch ist der Überfluss an Vokalen, von denen es zehn Stück gibt ( [a] [e] [i] [o] [u] [ā] [ē] [ī] [ō] [ū]). Diese tauchen auch oft in Kombination auf, bspw. im Ortsnamen Puna’auia. Jede Silbe und jedes Wort enden mit einem Vokal. Dagegen gibt es nur neun Konsonanten: [f] [h] [m] [n] [p] [r] [t] [v] und [‚], wobei letzterer nahezu stimmlos als eine Art Pause gesprochen wird. Im Gegensatz zu Vokalen kommen Konsonanten immer nur einzeln vor. Wer noch mehr über Tahitianisch erfahren möchte, klickt hier: Tahitianisch (Wikipedia)
Amüsant finden wir, dass das „R“ gerollt wird, was uns immer an den fränkischen Dialekt erinnert. Auf „Radio Bora Bora“ zaubert mir daher die niedliche Kinderstimme, die den Sendertitel mehrfach stündlich mit rollenden Rrrrr’s ausspricht, stets ein Lächeln ins Gesicht 🙂

Wir nutzen bisher im Alltag die polynesischen Worte Ia ora na (Hallo, guten Tag), Nana (Tschüss), Mauruuru (Danke) und es geht mir sehr gut (maita’i roa). Für die richtige Toilettenwahl ist auch die Kenntnis von Vahine (Frau) und tane (Mann) nötig. Ein paar kulinarische Begriffe, z. B. Poe (eine Art Pudding), ‚Uru (Brotfrucht), Mape (Brettwurzelbaum), Painapo (Ananas), Miti hue (fermentierte Kokosmilch) und Ma’a Tahiti (gemischter Mittagsteller) sind beim Einkaufen und am Roulotte wichtig. Das Wort Maita’i, was wir zuhause von der Cocktailkarte kennen, ist ebenfalls tahitianisch und bedeutet „gut“.

Ein Marae (gesprochen Marä) ist eine historische polynesische Kultstätte, welche zum Zwecke von traditionellen Zeremonien, Versammlungen oder auch Opferungen genutzt wurde. Die Schöpfer dieser Orte waren in der Anfangszeit wahrscheinlich einzelne Familien bzw. Clans, später meist hohe Chiefs oder Könige. Das Marae ist ein Bauwerk, welches entweder direkt am Meer oder auf exponierter Lage im Inland errichtet wurde. Meist besteht ein Marae aus einer gepflasterten Fläche, umgeben von einem rechteckigen Mauerwerk. Auf der Fläche stehen meist aufrechte Basaltsäulen. Im Zentrum des Maraes sollen sich als Beschützer oft auch Ti’i (uns eher geläufig als Tikis) befunden haben. Bei unseren Marae-Besuchen konnten wir diese jedoch an keiner Stelle sehen. Benutzt wurden zum Bau des Marae vor allem Flusssteine.

Bei mächtigeren Maraes wurde am Ende der gepflasterten Fläche häufig noch eine Art Altar oder Thron errichtet. Teilweise fanden hier Opfergaben statt – sowohl Tier- als auch Menschenopfer sollten eine gute Ernte, einen reichen Fischfang, Schutz oder auch Machtgewinn sichern. Bedienstete von verstorbenen Königen mussten ihrem Herrscher ebenfalls an diesem Ort zu Tode folgen.

Errichtet wurden die Maraes im polynesischen Raum von ca. 700 nach Christi bis in das 18. Jahrhundert hinein. Schriftliche Überlieferungen von den Erbauern gibt es nicht. Einige wenige Dokumentationen der ersten europäischen Entdecker zeugen von der Nutzung der Marae. Die Missionare, die den Entdeckern kurze Zeit später folgten, verbannten die traditionellen polynesischen Kulte jedoch schnell und implementieren das Christentum. Oft wurden auch Marae zur Errichtung von Kirchen abgetragen oder sogar von christlichen Bauten überbaut, sodass sie gänzlich verschwanden. Diese Baumaßnahmen mussten die Polynesier unter nahezu sklavenartigen Bedingungen auf Anweisungen der Missionare umsetzen. Es erstaunt uns daher jeden Sonntag aufs Neue, dass die hiesige Bevölkerung den Gottesdienst in den christlichen Kirchen so ernst nimmt. Wurde doch mit deren Erbauung ihre frühere Kultur geradezu demütigt. Gleichwohl möchten wir die Abschaffung von Tier- und Menschenopfern als eindeutigen Gewinn der Christianisierung werten.

Heute sind einige Marae’s in Französisch-Polynesien erhalten bzw. restauriert. Teilweise kann man die früheren Dörfer, von denen meist nur die Grundmauern erhalten sind, mit ihren Maraes als Lehrpfad besuchen. Für dieses hier zusammengetragene Wissen waren uns die Lehrpfade der Marae’s Ti’i rua auf Moorea sowie Ārahurahu und Mahaeiatea auf Tahiti Grundlage.

Der Straßenverkauf von selbst geangeltem Fisch und typischen „Fenua“-Gerichten wie Poisson-Cru, Tahiti Ma’a, Po’e, Bonbon Cerette und Coco Glacé (eisgekühlte Trinkkokosnuss) ist ganz typisch für Französisch-Polynesien. Neben dem französischen Einfluss wie Baguette und Pain au Chocolate findet sich auch die italienische Küche in Polynesien wieder – nur eben mit dem „Fenua“-Touch: Pizzateig ist oft gezuckert und wahlweise mit Sahne statt mit Tomatenpassata bestrichen. Essen geht man auch gern in den meist günstigen Roulottes, jene Fahrzeuge und Anhänger, die man bei uns als Foodtrucks kennt.

Da eine Vielzahl der Lebensmittel importiert werden muss, sind die durchschnittlichen Preise mindestens doppelt so hoch wie bei uns. Für ein Stück Emmentaler Käse (~200g) zahlt man ca. 4 bis 5 Euro, für eine einfache Salami ca. 8 Euro, für ein Stück neuseeländische Butter 3 Euro, einen Kasten Bier 35 bis 40 Euro und für eine Flasche Wein (der aller günstigste) ca. 12 Euro. Regionales Obst und Gemüse hat ungefähr den Preis wie in Deutschland, importierte Weintrauben (500g) hingegen kosten ca. 13 Euro. Günstiger als bei uns sind nur Baguettes mit ca. 0,40 Euro (von Frankreich gefördert) und lokaler Fisch (z. B. Thunfisch für 8 Euro/kg).

Daher versorgen sich viele Menschen aus dem eigenen Garten sowie dem Meer: Sie gehen mit Harpune, Boje oder Angel fischen. Nachts werden am Strand Krabben gesammelt. Im typischen Fenua-Garten wachsen (Koch-)Bananen, Papayas, Maracujas, Pitahayas, Mangos, Kokosnüsse, Taro, Yams, Süßkartoffel, Maniok, Gurken, Tomaten, Ingwer und viele weitere Früchte und Gemüse.

Wer nicht mit dem Auto unterwegs ist (leider sind das viel zu viele), nimmt „fenua“-like den Tere-Bus oder das Fahrrad – am besten das Beach-Bike-E-Velo, was auch ohne Treten bis zu 50km/h fährt und weder Helm, TÜV noch Führerschein vorgeschrieben sind. Und zum Feierabend-Workout wird mit dem Ausleger-Kanu oder dem Surfbrett, wahlweise stehend, kniend oder liegend, trainiert.

Die klassische polynesische Familie besteht aus einem großen Verband – Paare haben meist viele Kinder, auch wenn sie häufig nicht verheiratet sind. Innerhalb einer (Groß-)Familie versteht es sich ganz von selbst, dass jeder nahezu alles nutzen darf – z. B. das Haus von Onkel und Tante inklusive aller Einrichtung. Es ist normal, dass man sich wochenends und in den Ferien besucht, jeder überall schlafen darf, sich am Kühlschrank bedienen kann oder sich in ein gerade nicht genutztes Bett legt.

Wo wir gerade beim Thema schlafen sind: Typisch „Fenua“ ist das frühe Aufstehen – im Regelfall zwischen 4 und 5 Uhr (zum Sonntagsmarkt auch gern noch zwei Stunden eher), genauso wie das frühe zu-Bett-gehen.

Tatsächlich ist der sonntägliche Kirchenbesuch in Fenua-Ausgehkleidung mit Blumenschmuck (siehe auch Mode) nahezu Pflicht. Anschließend folgt oft das gemeinsame Familien-Picknick am Strand, inklusive Tischdecke und Baguette. Dass nicht einmal sonntags die Laubbläser und Motorsensen („souffleur“ und „debruissallieur“) still stehen, zeugt ebenfalls von „Fenua“, einer gewissen Ordnung um Haus und Garten herum sowie auch im öffentlichen Raum.

„Tabu“ bezeichnet in „Fenua“ Verbote, wie z. B. Alkoholkonsum, laute Musik und Feuer am Strand (was praktisch aber selten eingehalten wird) oder das Betreten von Marae’s und Privatgrundstücken.

Typisch Fenua sind auch die sog. Mãhū oder Faʻafafine. Dies sind männliche Personen, die aber wie eine Frau aufwachsen und damit auch als solche gelten. Sie erfüllen in ihrem Leben meist das klassische Rollenbild der Frau, d. h. sie tragen lange Haare, weibliche Kleidung, sind geschminkt und kümmern sich oft um Haushalt und Familie. Mãhū trifft man regelmäßig im Alltag, z. B. als Kinderbetreuerin, Verkäuferin, Servicekraft oder beim Einkaufen. Dies ist in der polynesischen Kultur ganz normal – niemand lacht darüber oder diskriminiert diese Menschen. Früher wurden Mãhū hauptsächlich dann erzogen, wenn es in der Familie noch kein Mädchen gab. Diese Tradition ist auch heute noch erhalten, jedoch obliegt die Entscheidung der Geschlechterzugehörigkeit heute im Regelfall dem Kind bzw. Jugendlichen selbst.

Die klassische Fenua-Mode wird durch zwei Dinge charakterisiert: bunte Farben und Blumenmotive.
Sowohl Frauen- als auch Männerkleidung ist in allen nur irgendwie vorstellbaren bunten Farben und mit nahezu jedem tropischen Blumenmotiv, gern auch wild durcheinander gemischt, zu erwerben. Frauen nähen ihre Kleider oft selbst, in den vielen Stoffläden in der Hauptstadt Papeete hat man hierfür genügend Auswahl. Die Kleidung wird vor allem sonntags gern kombiniert mit einem klassischen Blumenkranz auf dem Kopf (vor allem bei den Damen) und einer Blumenkette aus Tiare- und Plumeria-Blüten um den Hals. Letztere erhält man auch oft als Begrüßungsritual überreicht.

Ähnlich kreativ wie bei der Kleidung ist man übrigens bei der Tischdekoration: fast in jedem Supermarkt gibt es bunte Wachstischdecken als Rollenware. Die wird dann auch gern mit zum Picknick genommen.

Beim Strandausflug oder beim Fischen im Riff sind von jung bis alt transparente Plastiksandalen DER Renner – so wie wir Mitte-Dreißiger sie noch aus Kindertagen kennen.

Traditionelle Fenua-Musik hat sicher fast jeder von uns schon einmal gehört. Wichtiges Instrument hierbei sind Gitarre und Ukulele, welche man spätestens seit der Interpretation von Israel Kamakawiwoʻole’s „somewhere over the rainbow – what a wonderful world“ auch im deutschen Radio kennt. Hinzu kommen verschiedene Arten von Trommeln. Wer Interesse hat, ‚mal reinzuhören, findet hier ein paar traditionelle polynesische Lieder.
Die Jugend hört in Polynesien gern eine Mischung aus traditioneller und europäischer Musik – z.B. den Radiosender NRJ. Eine der Lieblingsbeschäftigungen der Jugendlichen ist, mit dem Fahrrad, vorzugsweise E-Strandbike, umherzudüsen und mit der im Körbchen oder unterm Arm klemmenden JBL-Boom-Box die Umgebung zu beschallen. Wochenends kann dies in richtige „Battles“, also kleine Wettbewerbe mit den sog. Car-à-basse ausarten: ganze Familien beschallen sich auf Parkplätzen mit Hilfe von Autoradios oder sogar Generatoren, die große Lautsprecher antreiben, gegenseitig. Einfach nur köstlich zu beobachten und etwas anstrengend, zuzuhören.

Dass die Fenua-Meereswelt sehr vielseitig ist, berichteten wir ja schon. Da Polynesien jedoch sehr entfernt von allen Kontinenten liegt, ist die ursprüngliche Flora und Fauna an Land nur recht artenarm. Während es noch verhältnismäßig viele Pflanzenarten gibt, ist die Anzahl der Tiere überschaubar: Eidechsen, Geckos, verschiedene Vögel, Mäuse, Süßwassergarnelen und -fische können wir beobachten. Ein besonders wandelbares Tier, was natürlicher Weise in jedem Bachlauf zu finden ist, ist der indopazifische Fluss-Aal.

Die „Fenua“-Nutz- und Haustierwelt besteht hauptsächlich aus Hunden, Katzen, Hühnern, Enten, Schweinen, Ziegen, Rindern und ein paar wenigen Pferden. Hinzu kommen unzählige verwilderte Hühner, die auf fast allen Inseln in den Wäldern leben. Da Hunde und Katzen im Regelfall Freigang haben und selten kastriert sind, gibt es zudem sehr viele Streuner und „Fenua“-Kreuzungen, wie z. B. Dackel-Bullterrier.

Der Fenua-Pflanzenwelt machen leider einige eingeschleppte Arten bedrohliche Konkurrenz, wie z. B. die Miconia, die an vielen Stellen die einheimische Vegetation überwuchert. Es wird an vielen Wanderwegen dazu aufgerufen, die Pflanzen zu entfernen, doch der Kampf scheint oft aussichtslos.

Leider auch „Fenua“ sind mittlerweile Fast-Food-Restaurants, Junk-Food und -Drinks in XXL-Ausführung, die zu Zivilisationskrankheiten wie massivem Übergewicht und Diabetes führen. Hauptursache für diese Vielzahl extrem übergewichtiger Menschen ist, dass in der Vergangenheit nur hochrangige bzw. reiche Menschen eine gewisse Körperfülle aufwiesen. Dieses „Schönheitsideal“ besteht allerdings auch heute noch – wodurch vor allem zuckerhatige Lebensmittel hoch im Kurs und leider auch extrem billig sind.

Bedauerlich ist ebenfalls der „alles-muss-in-Plastik-verpackt-sein-Wahn“. Letzterer ebbt in ersten Supermärkten und Roulottes zum Glück langsam ab: Verpackungen müssen bezahlt bzw. eigene Boxen dürfen mitgebracht werden. Auf Moorea gibt es sogar einen rollenden Unverpacktladen. Die polynesische „Hinano“-Brauerei verkauft einige Softdrinks und Bier in Pfandflaschen und -kästen.

Bisher konnten wir aber nicht allzu oft ein Bewusstsein für Ressourcen feststellen: der Pickup läuft, während keiner drin sitzt, mit offenen Fenstern und Klimaanlage. Wasser wird auf Flatrate bezahlt, womit keine Motivation zum Wassersparen entsteht. Müll wird einfach am Straßenrand gelagert, auch Sperrmüll, Autobatterien, alte Kühlschränke und Schrottautos. Immerhin bekamen wir von einigen Einheimischen Lob und Zuspruch beim Müllsammeln im Wald und am Strand. Und auch von freiwilligen Lagunen- und Hafenreinigungs-Aktionen war in der Presse zu lesen, bei denen tonnenweise Müll aus dem Meer geholt wurde.

Doch genug mit der Kritik – was gefällt uns am meisten an „Fenua“: der Stolz und die Freude, aus Polynesien zu kommen, verknüpft mit (fast immer) guter Laune. Bestes Beispiel: Selbst nach einem harten, zehnstündigen Arbeitstag auf der Baustelle (wohlgemerkt in der prallen Sonne) grüßen uns die Bauarbeiter mit einem Lächeln und „Iaorana“. Oder dass uns ein Polynesier auf dem überfüllten Hauptstadt-Parkplatz von weitem zuwinkt und auf eine freie Lücke deutet, obwohl er selbst – eine Reihe weiter befindlich – keine Parklücke findet. Wir freuen uns auf noch ganz viele weitere nette Erlebnisse in diesem einzigartigen Land! 

Und wo befinden wir uns gerade? Aktuell genießen wir noch das Großfamilienleben bei Varoa und Herenui. Wir arbeiten ein bisschen, feiern viel, kochen zusammen und erkunden surfend, paddelnd und schwimmend das Meer vor der Haustür – mit Fischen, Schildkröten, Walen und Delfinen. Kommende Woche wollen wir von hier aus in die Bergwelt Tahitis – wenn das Wetter mitspielt…

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Birgit schrieb am 06.11.2021:
Eure tolle Reise

Liebe Carina, lieber Hannes, von Angelika habe ich bei unserem Abitreffen Anfang Oktober davon erfahren, wo und wie ihr zwei zur Zeit unterwegs seid. Seitdem verfolgen wir mit großem Interesse euren Reiseverlauf und deine so wunderbar geschriebenen Berichte über eure Erlebnisse sowie Land und Leute.
Wir wünschen euch alles Gute, bleibt gesund und habt eine tolle Zeit.
Viele Grüße von Birgit & Stefan aus Cottbus.

Carina schrieb am 12.11.2021:

Liebe Birgit, lieber Stefan,
herzlichen Dank für die netten Wünsche und wir freuen uns sehr, wenn wir euch hierüber ein bisschen an der Reise teilhaben lassen können.
Viele Grüße vom Flughafen Papeete, von wo aus es gleich nach Raivavae geht – Hannes & Carina

FENUA

Papara, Tahiti, 05.11.2021
am 12.11.2021 mit Fotos ergänzt

In jedem Lied, in jeder Werbung, in den Nachrichten und überall im Supermarkt begegnet einem in Französisch-Polynesien laufend das Wort „Fenua“. Gemeint ist damit im Allgemeinen die Heimat bzw. insbesondere Tahiti. Produkte „made in Fenua“ sind also hier hergestellt, in Liedern wird mit „Fenua“ die Heimat besungen, hier geborene Menschen sind „Fenua“, genauso wie ihre farbenfrohe Kleidung und ihr Stil, ihre Tätowierungen, ihr Lächeln und ihre Freundlichkeit. Doch was ist außerdem typisch für Französisch-Polynesien? Was macht dieses Land, die Leute und die Natur aus? Dies erfahrt ihr unter der Galerie (bitte den jeweiligen Punkt anklicken):

Ganz besonders Fenua ist die polynesische Sprache. In Französisch-Polynesien sprechen ca. 150.000 Einwohner, also etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung, Tahitianisch, wie man die lokale Form des Polynesischen hier nennt. Charakteristisch ist der Überfluss an Vokalen, von denen es zehn Stück gibt ( [a] [e] [i] [o] [u] [ā] [ē] [ī] [ō] [ū]). Diese tauchen auch oft in Kombination auf, bspw. im Ortsnamen Puna’auia. Jede Silbe und jedes Wort enden mit einem Vokal. Dagegen gibt es nur neun Konsonanten: [f] [h] [m] [n] [p] [r] [t] [v] und [‚], wobei letzterer nahezu stimmlos als eine Art Pause gesprochen wird. Im Gegensatz zu Vokalen kommen Konsonanten immer nur einzeln vor. Wer noch mehr über Tahitianisch erfahren möchte, klickt hier: Tahitianisch (Wikipedia)
Amüsant finden wir, dass das „R“ gerollt wird, was uns immer an den fränkischen Dialekt erinnert. Auf „Radio Bora Bora“ zaubert mir daher die niedliche Kinderstimme, die den Sendertitel mehrfach stündlich mit rollenden Rrrrr’s ausspricht, stets ein Lächeln ins Gesicht 🙂

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Text auf Tahitianisch – wer entdeckt Fenua?

Wir nutzen bisher im Alltag die polynesischen Worte Ia ora na (Hallo, guten Tag), Nana (Tschüss), Mauruuru (Danke) und es geht mir sehr gut (maita’i roa). Für die richtige Toilettenwahl ist auch die Kenntnis von Vahine (Frau) und tane (Mann) nötig. Ein paar kulinarische Begriffe, z. B. Poe (eine Art Pudding), ‚Uru (Brotfrucht), Mape (Brettwurzelbaum), Painapo (Ananas), Miti hue (fermentierte Kokosmilch) und Ma’a Tahiti (gemischter Mittagsteller) sind beim Einkaufen und am Roulotte wichtig. Das Wort Maita’i, was wir zuhause von der Cocktailkarte kennen, ist ebenfalls tahitianisch und bedeutet „gut“.

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Painapos

Ein Marae (gesprochen Marä) ist eine historische polynesische Kultstätte, welche zum Zwecke von traditionellen Zeremonien, Versammlungen oder auch Opferungen genutzt wurde. Die Schöpfer dieser Orte waren in der Anfangszeit wahrscheinlich einzelne Familien bzw. Clans, später meist hohe Chiefs oder Könige. Das Marae ist ein Bauwerk, welches entweder direkt am Meer oder auf exponierter Lage im Inland errichtet wurde. Meist besteht ein Marae aus einer gepflasterten Fläche, umgeben von einem rechteckigen Mauerwerk. Auf der Fläche stehen meist aufrechte Basaltsäulen. Im Zentrum des Maraes sollen sich als Beschützer oft auch Ti’i (uns eher geläufig als Tikis) befunden haben. Bei unseren Marae-Besuchen konnten wir diese jedoch an keiner Stelle sehen. Benutzt wurden zum Bau des Marae vor allem Flusssteine.

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Ein Marae auf Moorea – mit vielen Ti’is

Bei mächtigeren Maraes wurde am Ende der gepflasterten Fläche häufig noch eine Art Altar oder Thron errichtet. Teilweise fanden hier Opfergaben statt – sowohl Tier- als auch Menschenopfer sollten eine gute Ernte, einen reichen Fischfang, Schutz oder auch Machtgewinn sichern. Bedienstete von verstorbenen Königen mussten ihrem Herrscher ebenfalls an diesem Ort zu Tode folgen.

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Ein Marae auf Moorea mit mächtigem Altar

Errichtet wurden die Maraes im polynesischen Raum von ca. 700 nach Christi bis in das 18. Jahrhundert hinein. Schriftliche Überlieferungen von den Erbauern gibt es nicht. Einige wenige Dokumentationen der ersten europäischen Entdecker zeugen von der Nutzung der Marae. Die Missionare, die den Entdeckern kurze Zeit später folgten, verbannten die traditionellen polynesischen Kulte jedoch schnell und implementieren das Christentum. Oft wurden auch Marae zur Errichtung von Kirchen abgetragen oder sogar von christlichen Bauten überbaut, sodass sie gänzlich verschwanden. Diese Baumaßnahmen mussten die Polynesier unter nahezu sklavenartigen Bedingungen auf Anweisungen der Missionare umsetzen. Es erstaunt uns daher jeden Sonntag aufs Neue, dass die hiesige Bevölkerung den Gottesdienst in den christlichen Kirchen so ernst nimmt. Wurde doch mit deren Erbauung ihre frühere Kultur geradezu demütigt. Gleichwohl möchten wir die Abschaffung von Tier- und Menschenopfern als eindeutigen Gewinn der Christianisierung werten.

Heute sind einige Marae’s in Französisch-Polynesien erhalten bzw. restauriert. Teilweise kann man die früheren Dörfer, von denen meist nur die Grundmauern erhalten sind, mit ihren Maraes als Lehrpfad besuchen. Für dieses hier zusammengetragene Wissen waren uns die Lehrpfade der Marae’s Ti’i rua auf Moorea sowie Ārahurahu und Mahaeiatea auf Tahiti Grundlage.

Der Straßenverkauf von selbst geangeltem Fisch und typischen „Fenua“-Gerichten wie Poisson-Cru, Tahiti Ma’a, Po’e, Bonbon Cerette und Coco Glacé (eisgekühlte Trinkkokosnuss) ist ganz typisch für Französisch-Polynesien. Neben dem französischen Einfluss wie Baguette und Pain au Chocolate findet sich auch die italienische Küche in Polynesien wieder – nur eben mit dem „Fenua“-Touch: Pizzateig ist oft gezuckert und wahlweise mit Sahne statt mit Tomatenpassata bestrichen. Essen geht man auch gern in den meist günstigen Roulottes, jene Fahrzeuge und Anhänger, die man bei uns als Foodtrucks kennt.

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Curry, Poisson Cru und Tahiti Ma’a

Da eine Vielzahl der Lebensmittel importiert werden muss, sind die durchschnittlichen Preise mindestens doppelt so hoch wie bei uns. Für ein Stück Emmentaler Käse (~200g) zahlt man ca. 4 bis 5 Euro, für eine einfache Salami ca. 8 Euro, für ein Stück neuseeländische Butter 3 Euro, einen Kasten Bier 35 bis 40 Euro und für eine Flasche Wein (der aller günstigste) ca. 12 Euro.

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Die lokalen Biere

Regionales Obst und Gemüse hat ungefähr den Preis wie in Deutschland, importierte Weintrauben (500g) hingegen kosten ca. 13 Euro. Günstiger als bei uns sind nur Baguettes mit ca. 0,40 Euro (von Frankreich gefördert) und lokaler Fisch (z. B. Thunfisch für 8 Euro/kg).

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Fischverkauf am Straßenrand

Daher versorgen sich viele Menschen aus dem eigenen Garten sowie dem Meer: Sie gehen mit Harpune, Boje oder Angel fischen. Nachts werden am Strand Krabben gesammelt. Im typischen Fenua-Garten wachsen (Koch-)Bananen, Papayas, Maracujas, Pitahayas, Mangos, Kokosnüsse, Taro, Yams, Süßkartoffel, Maniok, Gurken, Tomaten, Ingwer und viele weitere Früchte und Gemüse.

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Bananenstaude im Garten

Wer nicht mit dem Auto unterwegs ist (leider sind das viel zu viele), nimmt „fenua“-like den Tere-Bus oder das Fahrrad – am besten das Beach-Bike-E-Velo, was auch ohne Treten bis zu 50km/h fährt und weder Helm, TÜV noch Führerschein vorgeschrieben sind. Und zum Feierabend-Workout wird mit dem Ausleger-Kanu oder dem Surfbrett, wahlweise stehend, kniend oder liegend, trainiert.

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Das E-Bike im Straßenverkehr- fährt bis zu 50km/h ohne Treten

Die klassische polynesische Familie besteht aus einem großen Verband – Paare haben meist viele Kinder, auch wenn sie häufig nicht verheiratet sind. Innerhalb einer (Groß-)Familie versteht es sich ganz von selbst, dass jeder nahezu alles nutzen darf – z. B. das Haus von Onkel und Tante inklusive aller Einrichtung. Es ist normal, dass man sich wochenends und in den Ferien besucht, jeder überall schlafen darf, sich am Kühlschrank bedienen kann oder sich in ein gerade nicht genutztes Bett legt.

Wo wir gerade beim Thema schlafen sind: Typisch „Fenua“ ist das frühe Aufstehen – im Regelfall zwischen 4 und 5 Uhr (zum Sonntagsmarkt auch gern noch zwei Stunden eher), genauso wie das frühe zu-Bett-gehen.

Tatsächlich ist der sonntägliche Kirchenbesuch in Fenua-Ausgehkleidung mit Blumenschmuck (siehe auch Mode) nahezu Pflicht. Anschließend folgt oft das gemeinsame Familien-Picknick am Strand, inklusive Tischdecke und Baguette.

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Fenua-Familienfoto

Dass nicht einmal sonntags die Laubbläser und Motorsensen („souffleur“ und „debruissallieur“) still stehen, zeugt ebenfalls von „Fenua“, einer gewissen Ordnung um Haus und Garten herum sowie auch im öffentlichen Raum.

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Laubbläser ersetzen den Besen

„Tabu“ bezeichnet in „Fenua“ Verbote, wie z. B. Alkoholkonsum, laute Musik und Feuer am Strand (was praktisch aber selten eingehalten wird) oder das Betreten von Marae’s und Privatgrundstücken.

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Tabu am Strand

Typisch Fenua sind auch die sog. Mãhū oder Faʻafafine. Dies sind männliche Personen, die aber wie eine Frau aufwachsen und damit auch als solche gelten. Sie erfüllen in ihrem Leben meist das klassische Rollenbild der Frau, d. h. sie tragen lange Haare, weibliche Kleidung, sind geschminkt und kümmern sich oft um Haushalt und Familie. Mãhū trifft man regelmäßig im Alltag, z. B. als Kinderbetreuerin, Verkäuferin, Servicekraft oder beim Einkaufen. Dies ist in der polynesischen Kultur ganz normal – niemand lacht darüber oder diskriminiert diese Menschen. Früher wurden Mãhū hauptsächlich dann erzogen, wenn es in der Familie noch kein Mädchen gab. Diese Tradition ist auch heute noch erhalten, jedoch obliegt die Entscheidung der Geschlechterzugehörigkeit heute im Regelfall dem Kind bzw. Jugendlichen selbst.

Die klassische Fenua-Mode wird durch zwei Dinge charakterisiert: bunte Farben und Blumenmotive.
Sowohl Frauen- als auch Männerkleidung ist in allen nur irgendwie vorstellbaren bunten Farben und mit nahezu jedem tropischen Blumenmotiv, gern auch wild durcheinander gemischt, zu erwerben. Frauen nähen ihre Kleider oft selbst, in den vielen Stoffläden in der Hauptstadt Papeete hat man hierfür genügend Auswahl. Die Kleidung wird vor allem sonntags gern kombiniert mit einem klassischen Blumenkranz auf dem Kopf (vor allem bei den Damen) und einer Blumenkette aus Tiare- und Plumeria-Blüten um den Hals. Letztere erhält man auch oft als Begrüßungsritual überreicht.

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Ein Fenua-Stoffgeschäft

Ähnlich kreativ wie bei der Kleidung ist man übrigens bei der Tischdekoration: fast in jedem Supermarkt gibt es bunte Wachstischdecken als Rollenware. Die wird dann auch gern mit zum Picknick genommen.

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Fenua-Tischdecken

Beim Strandausflug oder beim Fischen im Riff sind von jung bis alt transparente Plastiksandalen DER Renner – so wie wir Mitte-Dreißiger sie noch aus Kindertagen kennen.

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Der Klassiker

Traditionelle Fenua-Musik hat sicher fast jeder von uns schon einmal gehört. Wichtiges Instrument hierbei sind Gitarre und Ukulele, welche man spätestens seit der Interpretation von Israel Kamakawiwoʻole’s „somewhere over the rainbow – what a wonderful world“ auch im deutschen Radio kennt. Hinzu kommen verschiedene Arten von Trommeln. Wer Interesse hat, ‚mal reinzuhören, findet hier ein paar traditionelle polynesische Lieder.

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Die populäre Band Sissa Sué beim Geburtstagsauftritt

Die Jugend hört in Polynesien gern eine Mischung aus traditioneller und europäischer Musik – z.B. den Radiosender NRJ. Eine der Lieblingsbeschäftigungen der Jugendlichen ist, mit dem Fahrrad, vorzugsweise E-Strandbike, umherzudüsen und mit der im Körbchen oder unterm Arm klemmenden JBL-Boom-Box die Umgebung zu beschallen. Wochenends kann dies in richtige „Battles“, also kleine Wettbewerbe mit den sog. Car-à-basse ausarten: ganze Familien beschallen sich auf Parkplätzen mit Hilfe von Autoradios oder sogar Generatoren, die große Lautsprecher antreiben, gegenseitig. Einfach nur köstlich zu beobachten und etwas anstrengend, zuzuhören.

Dass die Fenua-Meereswelt sehr vielseitig ist, berichteten wir ja schon. Da Polynesien jedoch sehr entfernt von allen Kontinenten liegt, ist die ursprüngliche Flora und Fauna an Land nur recht artenarm. Während es noch verhältnismäßig viele Pflanzenarten gibt, ist die Anzahl der Tiere überschaubar: Eidechsen, Geckos, verschiedene Vögel, Mäuse, Süßwassergarnelen und -fische können wir beobachten. Ein besonders wandelbares Tier, was natürlicher Weise in jedem Bachlauf zu finden ist, ist der indopazifische Fluss-Aal.

Die „Fenua“-Nutz- und Haustierwelt besteht hauptsächlich aus Hunden, Katzen, Hühnern, Enten, Schweinen, Ziegen, Rindern und ein paar wenigen Pferden. Hinzu kommen unzählige verwilderte Hühner, die auf fast allen Inseln in den Wäldern leben.

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Ein typisches Fenua-Tier

Da Hunde und Katzen im Regelfall Freigang haben und selten kastriert sind, gibt es zudem sehr viele Streuner und „Fenua“-Kreuzungen, wie z. B. Dackel-Bullterrier.

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Streunende Hunde und Schrottautos – leider häufig anzutreffen

Der Fenua-Pflanzenwelt machen leider einige eingeschleppte Arten bedrohliche Konkurrenz, wie z. B. die Miconia, die an vielen Stellen die einheimische Vegetation überwuchert. Es wird an vielen Wanderwegen dazu aufgerufen, die Pflanzen zu entfernen, doch der Kampf scheint oft aussichtslos.

Leider auch „Fenua“ sind mittlerweile Fast-Food-Restaurants, Junk-Food und -Drinks in XXL-Ausführung, die zu Zivilisationskrankheiten wie massivem Übergewicht und Diabetes führen. Hauptursache für diese Vielzahl extrem übergewichtiger Menschen ist, dass in der Vergangenheit nur hochrangige bzw. reiche Menschen eine gewisse Körperfülle aufwiesen. Dieses „Schönheitsideal“ besteht allerdings auch heute noch – wodurch vor allem zuckerhatige Lebensmittel hoch im Kurs und leider auch extrem billig sind.

Bedauerlich ist ebenfalls der „alles-muss-in-Plastik-verpackt-sein-Wahn“. Letzterer ebbt in ersten Supermärkten und Roulottes zum Glück langsam ab: Verpackungen müssen bezahlt bzw. eigene Boxen dürfen mitgebracht werden. Auf Moorea gibt es sogar einen rollenden Unverpacktladen. Die polynesische „Hinano“-Brauerei verkauft einige Softdrinks und Bier in Pfandflaschen und -kästen.

Bisher konnten wir aber nicht allzu oft ein Bewusstsein für Ressourcen feststellen: der Pickup läuft, während keiner drin sitzt, mit offenen Fenstern und Klimaanlage. Wasser wird auf Flatrate bezahlt, womit keine Motivation zum Wassersparen entsteht. Müll wird einfach am Straßenrand gelagert, auch Sperrmüll, Autobatterien, alte Kühlschränke und Schrottautos. Immerhin bekamen wir von einigen Einheimischen Lob und Zuspruch beim Müllsammeln im Wald und am Strand. Und auch von freiwilligen Lagunen- und Hafenreinigungs-Aktionen war in der Presse zu lesen, bei denen tonnenweise Müll aus dem Meer geholt wurde.

Doch genug mit der Kritik – was gefällt uns am meisten an „Fenua“: der Stolz und die Freude, aus Polynesien zu kommen, verknüpft mit (fast immer) guter Laune. Bestes Beispiel: Selbst nach einem harten, zehnstündigen Arbeitstag auf der Baustelle (wohlgemerkt in der prallen Sonne) grüßen uns die Bauarbeiter mit einem Lächeln und „Iaorana“. Oder dass uns ein Polynesier auf dem überfüllten Hauptstadt-Parkplatz von weitem zuwinkt und auf eine freie Lücke deutet, obwohl er selbst – eine Reihe weiter befindlich – keine Parklücke findet. Wir freuen uns auf noch ganz viele weitere nette Erlebnisse in diesem einzigartigen Land! 

Und wo befinden wir uns gerade? Aktuell genießen wir noch das Großfamilienleben bei Varoa und Herenui. Wir arbeiten ein bisschen, feiern viel, kochen zusammen und erkunden surfend, paddelnd und schwimmend das Meer vor der Haustür – mit Fischen, Schildkröten, Walen und Delfinen. Kommende Woche wollen wir von hier aus in die Bergwelt Tahitis – wenn das Wetter mitspielt…

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Birgit schrieb am 06.11.2021:
Eure tolle Reise

Liebe Carina, lieber Hannes, von Angelika habe ich bei unserem Abitreffen Anfang Oktober davon erfahren, wo und wie ihr zwei zur Zeit unterwegs seid. Seitdem verfolgen wir mit großem Interesse euren Reiseverlauf und deine so wunderbar geschriebenen Berichte über eure Erlebnisse sowie Land und Leute.
Wir wünschen euch alles Gute, bleibt gesund und habt eine tolle Zeit.
Viele Grüße von Birgit & Stefan aus Cottbus.

Carina schrieb am 12.11.2021:

Liebe Birgit, lieber Stefan,
herzlichen Dank für die netten Wünsche und wir freuen uns sehr, wenn wir euch hierüber ein bisschen an der Reise teilhaben lassen können.
Viele Grüße vom Flughafen Papeete, von wo aus es gleich nach Raivavae geht – Hannes & Carina

zuhause bei den Boosie's

Papara, Tahiti, 29..10.2021

Auf der Suche nach einem Surfbrett haben wir Varoa kennengelernt. Er hat ein kleines, aber sehr gut sortiertes Fischgeschäft in Papara (siehe Google-Karte), einem 10.000-Einwohner-Ort im Süden Tahitis. Da das Geschäft nur wenige Meter von einem größeren Surfer-Strand entfernt ist und Hannes irgendwie im Gefühl hatte, dass Varoa surft, haben wir ihn gefragt, ob er vielleicht ein Brett zu verleihen hat.

Dies löste eine kleine „Kettenreaktion“ aus: Nicht ein, sondern unzählige Surfbretter befinden sich im Haushalt der Familie Boosie und Varoa ist eine bekannte Größe in der lokalen Surferszene. Er lud uns gleich ein, mit in sein Haus zu kommen, was sich direkt am Strand befindet. Da auf dem Grundstück noch jede Menge Platz ist, haben er und seine Frau Herenui uns eingeladen, ein paar Tage mit dem Van zu bleiben.

Stellplatz in erster Reihe nennt man das unter Campern – Blick auf den schwarzen Sandstrand und das recht raue Meer, auf der anderen Seite die schroffen Berge Tahitis. Da schadeten auch vier Tage Dauerregen nicht.

Geplant hatten wir nun im November eigentlich einen weiteren Segeltörn mit Namaka – aber bekanntlich kommt es meistens anders, als man denkt: Namaka wird wahrscheinlich in Kürze verkauft, womit unser Segeltörn leider ausfällt. Wir erfahren im Gegenzug hautnah in der Familie Boosie die überwältigende Gastfreundlichkeit der Polynesier: wir sollen unbedingt bleiben, auch wenn wir den Van zurückgegeben haben. Der siebenjährige Sohn Heinokea zieht dafür mit ins Zimmer seiner Schwester Veikihei, 10 Jahre alt. Dies mache ihm gar nichts aus, sagt er, denn wir brauchen ja schließlich ein Bett.

Hotels seien hier viel zu teuer, Pensionen auch, und wir sollen unser Geld doch lieber für andere schöne Dinge sparen, sagt Herenui. Die Familie habe genug Platz für uns und es wäre eine gegenseitige Bereicherung, wenn wir bleiben. Diese herzliche Einladung, welche wir erst gar nicht so richtig realisieren konnten, können wir natürlich nicht ablehnen.

Und damit wohnen wir nun mit in einem völlig neuen und perfekt ausgestatteten Haus am Strand, lernen unzählige Familienmitglieder kennen, helfen bei der Vorbereitung für eine große Geburtstagsfeier, übernehmen ein paar handwerkliche Tätigkeiten in Haus, Hof sowie auf dem Friedhof und helfen etwas im Fischgeschäft aus. Letztere Arbeit ist echt interessant: neben dem Zuschauen beim fachgerechten Zerlegen von Fischen bis über 60kg ist das Zubereiten der polynesischen Spezialitäten am Sonntag ein besonderes Erlebnis.

Hierfür hilft die ganze Familie schon in der vorhergehenden Nacht mit, damit sonntags die Theke richtig überquillt. Bereits halb 5 kommen die ersten Kunden, um den sonntäglichen Frühstückstisch zuhause mit allerlei Spezialitäten zu decken: Roher, gegrillter und gekochter Fisch in allen Varianten, Krabbensalat, Ziege in Kokosmilch, Kalb, Tahiti Ma’a (ein Teller bestückt mit Kochbananen, Taro, Maniok, Brotfrucht und Süßkartoffel), dazu frisch gepresste Kokosmilch oder fermentierte Kokosraspeln und als Nachtisch Poe (Pudding aus Maniokmehl mit verschiedenen Früchten) oder Beignets (Fettgebäck).

Und wie lange werden wir hier bleiben? Aktuell wissen wir das noch nicht – viele Familienmitglieder möchten uns gern einen Tag mit auf ihre Arbeit nehmen, z. B. in die Kantine vom Präsidialgebäude, in die tahitianische Traditionsschule oder in ein Heim für Jugendliche mit schwierigen Familienverhältnissen. Auch eine Einladung zu entfernteren Verwandten auf die südlich gelegenen Austral-Inseln und die Marquesas im Norden ist bereits ausgesprochen. Mindestens bis zur großen Feier übernächste Woche sollen wir unbedingt bleiben. Dies tun wir mit Freude – denn wir verstehen uns mehr als gut mit der Familie, auch wenn es sprachlich ein ziemliches Durcheinander aus Französisch, Tahitianisch, Englisch, Deutsch und händisch-füßig ist. Eine weitere Sache „trägt maßgeblich zum Wohle der Völkerverständigung bei“ (Zitat Hannes): abends wird gern das ein oder andere Hinano, das lokale Bier, konsumiert.

Wir sind gespannt, was wir hier in der nächsten Zeit so alles erleben dürfen!

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Doris schrieb am 04.11.2021:

Hallo ihr Zwei, ich bin begeistert von den Bildern und den Berichten. Auch wenn ich mich wiederhole: So werden aus Fremden Freunde. Eure Statusbilder hab ich alle in einem eigenen Ordner, um sie mir immer und immer wieder anzuschauen. Wie oft ich die Berichte gelesen habe, kann ich gar nicht mehr sagen. Mein Fernweh wird immer größer…😥. Auf dem Bild mit der „Frau des Hauses“, könnte Carina glatt als Familienmitglied durchgehen 🤣. Die Haut- und Haarfarbe passen schon mal.

Die Möglichkeiten die sich euch jetzt bieten, auch den Arbeitsalltag kennenzulernen, bietet kein Reisebüro. Das ist das wahre Leben. 

Ich warte sehnsüchtig auf die nächsten Bilder und Berichte.

Ganz liebe Grüße aus der Heimat sendet Doris 🙋‍♀️

Carina schrieb am 12.11.2021:

Liebe Doris,

vielen Dank für das treue Mitlesen! Ja du hast recht – was wir gerade erleben dürfen, kann man nirgends buchen.
Wir geben unser Bestes, dich und alle anderen Leser weiterhin auf dem Laufenden zu halten.

LG Carina und Hannes

So war Moorea...

Papara, Tahiti, 23.10.2021
geschrieben am 21.10.2021

Eine Woche waren wir zu Besuch auf Moorea – eine Woche, in der wir die Insel ausgiebig kennenlernen konnten.

Geprägt war die Zeit vor allem von tollen Campingnächten in den grünen Bergen, von Wanderungen durch mystische Wälder und Ananasplantagen, von netten Menschen, Walen, Regen und dicken Wolken an den Berggipfeln.

Dass die zwei großen Kreuzfahrtschiffe schon am Tag nach unserer Ankunft ausliefen, hatte den Vorteil, dass die Buchten danach wieder den Walen gehörten. So konnten wir sie nicht nur von der Fähre aus, sondern auch vom Strand und von den Berghängen beobachten.

Allgemein hat uns der auf Moorea mehr verbreitete Gedanke an die Umwelt gefreut: es gibt einen rollenden Unverpacktladen, Auffüllstationen für Reinigungsmittel und Co. in den Supermärkten und an den vielen öffentlichen Trinkwasserzapfstellen wird darauf hingewiesen, dass man doch der Umwelt und Gesundheit zuliebe Glas- statt Plastikflaschen nutzen soll. In der Cook-Bay sind die Coral-Gardeners angesiedelt, welche engagiert daran arbeiten, Korallen zu vermehren und kaputte Riffe wiederherzustellen. Sie werden einzig und allein von Patenschaften für Korallen finanziert. Bereits vor unserer Reise waren wir auf die Coral Gardeners aufmerksam geworden und hatten zwei Korallen adoptiert. Leider erhalten sie für ihre Arbeit keine staatliche Unterstützung. Durch die Lagune bretternde Jetski und im Inland umherknatternde Quads kratzen ebenfalls noch am fragilen Umwelt-Image von Moorea.

Mooreas Produkt Nummer 1 ist die Ananas. Das fruchtbare Inland der Insel gehört dem Staat, einen Teil verpachtet er aber an Bauern, welche hier Ananasplantagen bewirtschaften. Der andere Teil ist von der landwirtschaftlichen Berufsschule Französisch-Polynesiens sowie von jeder Menge Urwald geprägt. Letzterer ist von zahlreichen Wanderwegen durchzogen und beherbergt teils intakte Maraes sowie weitere historische Bauten aus der Geschichte der Polynesier (dazu in Kürze mehr…).

Dass die Ananas mindestens zwei Jahre von der Pflanzung bis zur Ernte braucht, wusste ich bereits. Dass sich die Pflanze danach aber mehrfach verzweigt, war auch mir neu. So lässt sich ein Ananasfeld mehrfach beernten, bevor man es neu anlegen muss. Durch die gezackten Blätter ist die Arbeit im Feld übrigens äußert unangenehm und ohne lange Kleidung nicht zu bewerkstelligen. Im Schnitt kostet eine Frucht hier ca. 2,00 Euro – und sie ist etwas kleiner als jene, die wir in Deutschland im Supermarkt kaufen können. Dafür ist gefühlt 100 Mal süßer und so zart, dass sogar der Strunk essbar ist. Unbeschreiblich ist auch der Duft einer reifen Moorea-Ananas – sie ist ein wahrer Lufterfrischer im Campervan, genauso wie die Vanilleschoten, die wir in einem kleinen Familienbetrieb gekauft haben.

Auf Grund des recht ergiebigen Regens konnten wir leider keine Gipfel auf Moorea erklimmen – die Wege waren einfach zu rutschig und die Berge in den Wolken verschwunden. „Eigentlich will ich hier noch gar nicht weg, es ist so gemütlich hier“, sagt Hannes am Morgen, als wir uns mit der Fähre auf den Rückweg nach Tahiti begeben.

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Alexander E. schrieb am 23.10.2021:

Ich verfolge eure Reise fast jeden Tag. Es gehört so viel Mut dazu sich zu entschließen etwas so schönes zu zweit zu erleben. Jetzt klingt es schon wieder dumm wenn man es nicht macht. Ich werde eure Reise von Deutschland interessiert begleiten. Ich wünsche euch die schönste Zeit die ihr haben könnt.

Liebe Grüße
Alexander